Mein EFD in Spanien – Erfahrungsbericht Hanna M.

Über meinen Europäischen Freiwilligendienst in Alicante, der Ostküste Spaniens, könnte ich Stunden lang reden oder schreiben. Deshalb fällt es mir auch nicht leicht, mich hier auf ein paar Seiten zu beschränken, da diese Erfahrung durch so viele Momente, so viele einzigartige Erlebnisse, Begegnungen, und vor allem einen stetigen Lernprozess geprägt war.
Wenn ich jetzt auf die letzten Monate zurückblicke, fallen mir natürlich viele Dinge auf und eines der Wichtigsten ist, dass ich mir vor meinem Freiwilligendienst Sorgen gemacht habe. Wie würde ich bloß Leute kennen lernen, was wenn man mich unter- oder überfordere…? Jetzt kann ich diese Gedanken bewerten, und zwar mit einem für mich sehr üblichen, 'umsonst Sorgen gemacht'!
Hier möchte ich auch den ersten Tipp an alle EFD - Interessierten loswerden: Macht euch nicht zu viele Sorgen, denn eines der Sachen, die ich in diesen zehn Monaten gelernt habe ist, dass man mit Motivation und dem Willen zu Lernen alles schaffen kann. So behalten auch alle Probleme ihre Mückengröße bei und mutieren nicht zum Elefanten. Natürlich kann nämlich nicht alles zu hundert Prozent perfekt laufen. Doch jedes Problem hat eine Lösung und an allem wächst man, also kein Grund zur Sorge! Denn es ist auch immer jemand da der helfen kann, wie z.B die Vereinigung Junger Freiwilliger stets ansprechbar war. Wie ihr den EFD erlebt, hängt von eurer Einstellung ab. Somit rate ich jedem, der die Chance zu einem EFD hat, diese zu ergreifen und sich in das Abenteuer zu stürzen. Abenteuer ist hier auch auf jeden Fall der richtige Begriff.

Als ich nach der Schule entschied den Europäischen Freiwilligendienst zu machen, kam das aus verschiedenen Motivationen heraus. Ich wusste damals noch nicht was ich studieren wollte und hatte Lust etwas Neues zu entdecken und eine andere Kultur kennen zu lernen. Dabei auch noch ehrenamtlich zu helfen hat mich überzeugt. Darüber hinaus, war es auch die einzige Möglichkeit für mich, als damals noch 17. Jährige, für mehr als nur ein paar Wochen ins Ausland zu gehen. Hier also die Anmerkung: Ja, man findet auch noch unter 18. etwas. Es ist schwer aber möglich.
So ging es also Anfang September los nach Alicante und als ich ankam überraschte mich nicht nur die Hitze. In der ersten Woche gab es viele Wangenküsse, ich habe die Burg Santa Bárbara, meinen Projektort, sowie das Centro 14, meine Aufnahmeorganisation, kennengelernt, machte meine erste Siesta, ging an den Strand, bekam eine Einführung in die spanische Küche und überwand meine Angst Spanisch zu sprechen.
Das Leben in der WG begann und das ist auch einer der schönsten Aspekte des EFD's, denn der Freiwilligendienst verbindet Menschen verschiedenster Kulturen. Ich hatte das Glück mit einer Franzosin, einer Portugiesen und einem Iren in einer modernen Wohnung genau im Zentrum Alicantes, dem "Barrio" zu wohnen.
Wir lernten uns und Alicante zusammen kennen und am Anfang war jeder Tag sehr einzigartig. So gingen wir auch im Oktober zusammen nach Benicássim zu unserem On-Arrival Training. Da lernten wir noch mehr Freiwillige aus allen möglichen Ländern bei tollen Aktivitäten kennen und gewannen Übernachtungsmöglichkeiten in ganz Spanien.
Auch in meinem Projekt war es anfangs sehr spannend. Ich habe Texte ins Deutsche und Englische übersetzt, die Touristen empfangen und informiert, mit der Audioguide und der Karte der Burg gearbeitet, Besucherstatistiken analysiert und war für die Durchführung von Umfragen verantwortlich. Im Centro 14 habe ich zusammen mit den anderen Freiwilligen einen Sprachenaustausch organisiert, Jugendliche durch Vorträge und Gespräche über den EFD informiert, an einer Aktion, um besitzerlosen Tieren zu helfen teilgenommen, und einen Kurzfilm zum Freiwilligendienst gemacht.

All dies hat mir auch wirklich sehr gefallen, allerdings wurden meine Aktivitäten und somit auch meine Euphorie leider mit der Zeit weniger. Ich wollte gerne mehr tun, habe sogar ein eigenes kleines Projekt vorgeschlagen, doch aufgrund von Veränderungen in der Burg sowie des Rathauses konnte nichts durchgeführt werden. Natürlich war ich dadurch enttäuscht, da ich mir erhofft hatte mehr helfen zu können. Vor allem weil mir unglaublich viel aufgefallen war, was in der Burg verbessert werden konnte. In der Burg fehlen Beschilderungen, Information auf Englisch, einige Dinge dort müssen besser erhalten werden, es existiert kein Flyer usw. Es ist immerhin ein touristisches Ziel, welches jährlich mehr als 400000 Besucher aus allen Kontinenten anzieht. Somit ist es sehr schade, dass die meisten kaum etwas über die interessante Geschichte der Burg, die mehr als 1000 Jahre zurückreicht, erfahren.
Es stimmt also, dass es vorkommen kann, dass im Projekt vielleicht nicht all das möglich ist, was man sich wünschen würde, und natürlich habe ich in Spanien auch Freiwillige kennen gelernt, die nicht komplett zufrieden waren mit ihren Aufgaben. Doch alle, einschließlich mir, haben das Beste daraus gemacht. Ich habe bei einer Versammlung mit dem Ratsvorsitzenden des Staatsratsamtes für Kultur gesprochen und habe dann, auf seine Bitte hin, meine Analyse der Probleme der Burg und meine Vorschläge überreicht und bin nun endlich doch zufrieden und glücklich mit meiner Arbeit.
Einer der vielen Höhepunkte des EFDs war das Mid-Term-Training in Malaga, wo wir mit 100 Freiwilligen aus 23 Ländern eine inspirierende Woche erlebt und viel gelernt haben und genau so inspirierend wie diese Woche waren auch alle anderen 'encuentros' und alles was ich so außerhalb des Projekts erlebt habe.
In meiner Freizeit ging ich sechs Stunden die Woche zum Theater und habe dort nicht nur einige gute Freunde gefunden, sondern auch am Ende des Jahres ein tolles Stück aufgeführt. Wir haben Filmabende gemacht, es gab gemeinsame Abendessen mit beeindruckenden Leuten, ich habe sowohl Metropolen Spaniens als auch kleine Dörfer kennen gelernt, den unvergesslichen Roadtrip in Andalusien genossen, habe versucht alle Traditionen mitzumachen, wie zum Beispiel das Osterei an einem Kopf zu zerschlagen, war an einer einmaligen Exkursion in eine nicht touristische Höhle beteiligt, bin die letzten zwanzig Kilometer des Jakobsweges gegangen, habe als Freiwillige bei einem tollen Festival geholfen, bin mit der längsten urbanen Zipline Europas gefahren und habe die "Hogueras" miterlebt.

Spanien ist mein zweites Zuhause geworden und abgesehen davon, dass ich dort Freunde gefunden habe, mit denen ich sicherlich in Kontakt bleibe, verbinde ich wunderbare Gefühle damit. Die Kultur und die Menschen haben mich verzaubert und ich werde das nie vergessen. Ich werde nie vergessen, wie wir eine Person auf dem Weg zu einer Karaokebar gefragt habe, wo wir aussteigen mussten, und plötzlich alle Menschen in diesem Bus versuchten uns zu helfen. Ich werde nie vergessen, wie mir jeder Mensch mit so viel Freundlichkeit begegnete. Ich werde nie vergessen, wie ich ankam, und es am ersten Tag regnete, und ich auch danach noch Wolkenbrüche erlebte wie nie zuvor, obwohl alle meinten, dort gäbe es nur Sonne und Wärme. In der Zeit habe ich aber gelernt, eher die unglaubliche Wärme der Menschen wertzuschätzen. Ich werde nie vergessen, dass Alicante mein ganz persönliches Abenteuer war!
"Espain is different", wie so viele es da formulieren. Ich habe während meines Auslandsaufenthaltes gesehen, dass alle Kulturen sehr unterschiedlich sind, denn es gibt keine zwei komplett gleichen Sachen auf dieser Welt und das ist auch gut so. Trotzdem haben wir sehr viele Gemeinsamkeiten. Deshalb gibt es auch keinen Grund, um Angst zu haben ins Ausland zu gehen.
Der EFD erweitert unseren Horizont, steigert die Kommunikations- und Teamfähigkeit und setzt sich für Toleranz, Solidarität und demokratische Werte ein. Dieses Jahr hat mich reifer und offener werden lassen und ich habe unglaublich viel gelernt. Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, und die besten Dinge passieren außerhalb der Komfortzone. Ihr werdet die Entscheidung ins Ausland zu gehen also sicherlich nicht bereuen, sondern nur Positives davon haben. Ich kam nach zehn Monaten um Einiges reicher zurück nach Deutschland. Reicher an Erfahrung, Freunden und Wissen und bin sehr dankbar für diese Gelegenheit.